ONLINE-KATALOG 48. Auktion
 
Auktion: Donnerstag, 21. April 2005, 12.00 Uhr
Freitag, 22. April 2005, 12.00 Uhr
Vorbesichtigung: 12. - 18. April 2005, 14.00 - 18.00 Uhr
19. - 22. April 2005, 9.00 - 11.00 Uhr


Artikel / Informationen

Los Nr.5874
Hauptmann Paul von Strantz,
Kaiser Alexander Garde Grenadier-Regiment Nr. 1. Tagebuch und Reisepass über den Besuch beim russischen Zaren und die damit verbundene Vorstellung der neuen preußischen Infanterieausrüstung in St. Petersburg 1895/96. Dunkelbraunes und goldgeprägtes Ledertagebuch mit Goldschnittseiten. Im Vorsatz Widmung "Zur Erinnerung an meine erste Petersburger Reise...meiner Frau Paula - Berlin 1896 - Paul von Strantz". Auf 89 Seiten mit separatem Inhaltsverzeichnis schildert er minutiös die Geschehnisse von der Kommandierung (zusammen mit einem Feldwebel und drei Gefreiten) am 29.11.1895, die Vorbereitungen und den Empfang bei Wilhelm II. ("...sorgen Sie mir gut für die Leute, daß sie sich nicht besaufen und daß nichts fortkommt. Ich kenne die Russen."), die 36-stündige Zugreise, den Empfang in St. Petersburg durch den preuß.Militärattache Hptm. Lauenstein und drei russ. Soldaten vom "Regiment Preobrajenski" und die Unterkunft im Hotel d´Europe. Vor der Audienz beim Zaren nimmt er am 8.12.1895 noch am "Georgenritterfest" teil, wird nach einem Diner in den Malachit-Saal geführt, dort stellt er seine Leute zur Vorführung auf: "...auf dem rechten Flügel stand der Feldwebel in Paradeanzug ohne Mantel mit Grenadiermütze, daneben Gefreiter Ziemer Paradeanzug mit Mantel und Grenadiermütze, Grenadier Viehstädt Paradeanzug ohne Mantel mit Helm und Haarbusch und auf dem linken Flügel Gefreiter Mohr feldmarschmäßig": Der Zar inspiziert und hinterfragt sehr eingehend sämtliche Ausrüstungsgegenstände ("...fragte nach dem Preis eines wollenen Hemdes, dem Gewicht des Aluminiumkochgeschirrs, half beim Auf- und Zuschnallen der Schnallen... erkannte besonders die Zweckmäßigkeit der Zeltbahnen...") und entläßt von Strantz folgendermaßen: "..nachdem ich alles gezeigt hatte, reichte mir Seine Majestät dreimal die Hand und bedankte sich immer wieder für den interessanten Vortrag, wobei er seiner Dankbarkeit unserem Kaiser gegenüber Ausdruck gab für diesen Beweis der Freundschaft". Ausführlich beschreibt von Strantz auch den weiteren Verlauf seines Aufenthalts, vom Besuch der Oper, des Großfürsten Wladimir (erneute Vorführung der Ausrüstung vor dem Bruder Alexanders III.), der Kaserne beim I. Btl. des Rgts. Preobrajenski und vieles, vieles mehr.
Dazu sein Reisepass, gültig ab 2. Dezember 1895 für drei Monate, rs. mit Durchreisestempeln und russischen Visastempeln, gefaltet, sowie ein großformatiges Foto (25 x 26,5 cm) mit Hauptmann von Strantz, umgeben von seinen Männern und den betreuenden russischen Soldaten. Außerdem zwei Silberbecher ("800") zu seinen Geburtstagen am 24.2.1895 und 1896, rs. jew. gravierte Namen von Offizieren verschiedener Garderegimenter. Höhe je 8 cm, Gewicht 105 und 78 g.
Paul von Strantz (1859-1928), wird 1913 als Oberst Kommandeur des IR von Lützow (1. Rheinisches) Nr.25 und im 1. Weltkrieg als Gen.major Kommandeur der 29. Infanterie-Brigade.
Ungemein präzises, detailliert und spannend erzähltes Zeitdokument.

Zustand: II Limit: 640 EURO
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